Gaby Guzek: Patient in Deutschland…
Patient in Deutschland, verraten und verkauft
Die Medizinjournalistin Gaby Guzek vermittelt den Lesern ihres Buches eine erschreckende und schonungslos offene Bestandsaufnahme über den derzeitigen Zustand und die fortschreitende Zerstörung des deutschen Gesundheitswesens. Sie beschreibt, wie eines der weltweit immer noch besten Gesundheitssysteme von verantwortungslosen Gesundheitspolitikern, Kassenfunktionären und den Lobbyisten börsennotierter Unternehmen ruiniert wird.
In der bundesdeutschen Kassenbürokratie sind mehr als 140 000 Mitarbeiter damit beschäftigt, die Beiträge der Versicherten umzuverteilen, während sich ganze 94 000 Arztpraxen mit der Behandlung der Patienten beschäftigen.
Während die Ausgaben für die ärztliche Behandlung in den letzten zehn Jahren um rund 0,6 Prozent, bezogen auf die Gesamtausgaben der Krankenkassen, gesunken sind, sind die Verwaltungsausgaben der Kassen im selben Zeitraum um etwa 23 Prozent gestiegen, ohne das dadurch für die Patienten auch nur die geringste Verbesserung entstanden wäre.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt drischt dabei mit Vorliebe auf die niedergelassenen Ärzte ein und versucht, damit von den wirklichen Problemen und den dafür Verantwortlichen abzulenken: Es sei skandalös, dass Kassenpatienten länger auf Termine warten müssten und schlechter behandelt würden als privat versicherte Patienten. Doch das betrifft sie natürlich nicht, ist sie doch, wie die meisten ihrer Politikerkollegen privat versichert. Und wenn man privat versichert ist, fällt es leicht, den gesetzlich Versicherten die Leistungen und den Ärzten das Honorar zusammenzustreichen.
Freitag 2. Oktober 2009 um 21:04
Ich habe das Buch von Gaby Guzek gelesen und konnte kaum glauben, dass es wirklich so schlimm um das Gesundheitswesen steht … habe das bisher immer für das Gejammer der Ärzte gehalten. Als ich dann einen befreundeten Hautarzt gefragt habe, konnte der mir alles genau bestätigen. Ich frage mich nur, warum die Öffentlichkeit nicht mehr Notiz von diesen unhaltbaren Zuständen nimmt. Wir sind doch schließlich alle früher oder später mal Patienten.
Man kann nur froh darüber sein, dass es mutige Menschen wie Gaby Guzek und Renate Hartwig gibt, die kein Blatt vor den Mund nehmen und sich trauen, die Machenschaften der Mächtigen im Gesundheitswesen immer wieder anzuprangern.
Mittwoch 25. November 2009 um 00:23
Die Öffentlichkeit nimmt noch wenig Notiz von den Gründen für diese Zuständen, weil sie bisher von der Politik, den Medien, den Krankenkassen etc. mit den falschen Informationen gefüttert wurde. Doch vollkommen unabhängig von der irreführenden Propaganda aus interessierten Kreisen können die ersten Auswirkungen schon längst beobachtet werden.
Es macht sich ein Besorgnis erregender Ärztemangel breit, und das hat einen ganz einfachen Grund:
Der Arztberuf wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer unattraktiver gemacht. Gleichzeitig wurden die Ärzte ständig als raffgierige Beutelschneider und Pfuscher und was nicht sonst noch alles diffamiert – eigentlich erstaunlich, dass man es wagt, so mit denen umzugehen, denen man seine Gesundheit anvertraut. Kein Wunder also, dass viele Mediziner gleich nach der Ausbildung ins Ausland gehen. Man darf gespannt sein, ob all die Lauterbachs, Schmidts, Seehofers etc. die Verantwortung übernehmen, wenn der große Versorgungsnotstand erst einmal da ist.