Wettbewerb der Krankenkassen
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Seit Anfang des Jahres ist ein wesentlicher Teil der “Gesundheitsreform” in Kraft, der sogenannte Gesundheitsfonds. Aus diesem Fonds, der größtenteils durch die Beiträge der Versicherten finanziert wird, bekommen die gesetzlichen Kassen einen pauschalen Betrag für jedes Mitglied. Zusätzlich bekommen die Kassen Zu- oder Abschläge aus dem Risikostrukturausgleich (RSA). Der RSA richtet sich nach dem Alter und Geschlecht der Versicherten und deren Morbidität, also dem Vorliegen einer oder mehrerer Krankheiten. Der Katalog, in dem diese Erkrankungen erfasst sind, enthält fast 3.800 Einzeldiagnosen.
Dieses System wird in Zukunft also die Krankenkassen belohnen, deren Mitglieder möglichst chronisch krank sind aber nicht viel kosten.
Vorbeugung wird in diesem Schema bestraft, denn für das noch gesunde Kassenmitglied, welches einen ungesunden Lebenswandel führt, erhält die Kasse nichts aus dem RSA, während die erforderlichen Vorbeugemassnahmen kostenintensiv sind.
Mit anderen Worten: Die Krankenkasse bekommt für diesen Versicherten mehr Geld, wenn er erkrankt. In dringend nötige Vorbeugemassnahmen zu investieren, wäre demnach ein Akt reiner Nächstenliebe.
Sonntag 21. Juni 2009 um 01:05
Ich frage mich: Weshalb machen Krankenkassen so viel Reklame?
Sind die Ersatzleistungen allemal gesetzlich geregelt fuer alle Kassen gleich?
Also: Sind die Ersatz-Zahlungen fuer einen Zahnersatz z.B. Prothese Oberkiefer die gleichen sowohl bei der AOK als auch der Techniker-Kasse als auch der Knappschaft Bahn-See ?
Wenn dem nicht so sein sollte, gibt es dann fassbare logische Gruende? Wenn dem so sein sollte, weshalb wird dann nicht der Verwaltungsaufwand dieser vielen Krankenkassen durch Aufloesungen gekuerzt?
Vielen Dank fuer alle Aufmerksamkeit
F.B.
Sonntag 21. Juni 2009 um 10:25
Die Autorin und Publizistin, Renate Hartwig, beschreibt die Situation sehr treffend in ihrem offenen Brief an die Gesundheitsministerin.
Hier ein Auszug:
„Wettbewerb“ klingt noch immer gut, auch wenn sich die Leute langsam fragen, warum das seit anderthalb Jahrzehnten gepredigt wird, während den Beitragszahlern von Jahr zu Jahr mehr abverlangt wird; die behandelnden Ärzte dagegen zu Bittstellern ihrer Leistung wurden. Und über die, die es bezahlen und die Betroffenen sind – die Patienten – willkürlich hinweg entschieden wird.
Nun liegen die Dinge grundsätzlich nicht so einfach, wie bei Bauer A und B, die auf dem Markt vergleichbare Kartoffeln anbieten. Krankenkassen produzieren eigentlich nichts, es sei denn Kosten. Niemand ist je von einer Krankenkasse geheilt worden. Eine Krankenkasse ist ihrem Wesen nach ein „Kasse“ und dazu da, dass sie das Geld der Versicherten auf dem schnellsten und kostensparendsten Weg an den POH – den point of health – bringt, dorthin, wo Menschen Hilfe, Heilmittel, Therapie, Pflege usw. erhalten.
Die Initiatoren der Reform dachten sich wohl: Jetzt treten die Krankenkassen in einen Wettbewerb um die geringsten Verwaltungskosten ein! Jetzt werden sie Bürokratie abbauen! Doch eigenartiger Weise ging der Schuss nach hinten los. Das zeigt eine einzige Zahl: Heute haben wir in Deutschland etwa 94.000 Arztpraxen, aber gleichzeitig eine gigantische Blase von 140.000 (!!!) Kassenangestellten, die in den Glaspalästen der derzeit ca. 220 GKVs in Brot und Arbeit stehen.
Monströse Verwaltungsapparate konkurrieren nicht etwa um die günstigsten Verwaltungskosten – nein, sie liefern sich eine Milliarden von Euro teure Schlacht um attraktive „Kunden“ (sprich möglichst gesunde Beitragszahler), und sie verwenden ihr kreatives Potential, um die Alten und Kranken („Risikogruppen“) zu vergrätzen. Die Kassen tun, als wären sie die Gesundmacher; sie erfinden Pseudo-Produkte, sprechen von Leistungsspektrum, inszenieren sich als Gesundheitskasse, heuern Legionen von Beratern an usw. 50 Millionen Euro sind bei der AOK für Beraterhonorare „verschwunden“.
Schon vergessen, Frau Schmidt?
Der vollständige Text kann hier gelesen werden:

Renate Hartwig: Offener Brief an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.
weitere Informationen unter: http://patient-informiert-sich.de/
Montag 22. Juni 2009 um 11:01
Für zahnmedizinische Leistungen sind die Ersatz-Zahlungen bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich.
Am 01.01.2009 erfolgte die Einführung des einheitlichen Beitragssatzes für alle Kassen.
Damit dürfte die Frage beantwortet sein:
Es gibt keinen Wettbewerb unter den Krankenkassen,
und von daher wäre es nur konsequent, die zur Zeit existierenden Kassen zu einer einzigen zusammenzufassen, die dann wesentlich effektiver und sparsamer arbeiten könnte.
Am 1. April 2009 gab es 196 gesetzliche Krankenkassen in der Bundesrepublik. Ein Jahr zuvor waren es noch 218 Kassen. Der Trend geht also in die richtige Richtung.
mehr Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenkasse
Donnerstag 19. November 2009 um 22:57
Dass die schrumpfende Zahl der gesetzlichen Krankenkassen aus verwaltungsökonomischen Gründen zu begrüssen ist, liegt auf der Hand. Mittlerweile hat jedoch ein wahrer Fusionsrausch eingesetzt, der dazu führen könnte, dass die neu entstehenden Superkassen nicht nur effektiver wirtschaften sondern auch ihre ureigenen Interessen gegenüber der Politik und den “Leistungserbringern” immer machtvoller und rücksichtsloser durchsetzen können.
Wenn sie sich dann mit den zur Zeit vermehrt entstehenden Klinikskonzernen zusammentun, geht unser Gesundheitswesen in eine Richtung, die sich weder Patienten noch Ärzte wünschen können.